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Die Waffen Nieder! · 2006-06-26

Oma hatte doch diese buecherecke neben dem fernsehsessel. Speziell die ecke neben dem fersehsessel war dort eigentlich zuerst, um belesenheit zu demonstrieren. Besonders herzig ist die tatsache, dass in dieser renomierecke vierzig jahre der titel 'Volk ohne Raum' von 'Hans Grimm' ueberwinterte und das im ostzonalen grenzgebiet, wo staendig die ABVs nach dem rechten sahen. Da kannste mal sehen wie der gedungene scherge performt wenn das lesenkoennen relevant wird.

buchdeckel

Wie, um den besitz dieses bloeden, spielend zu wiederlegenden opus auszuwetzen (ja ick habe es angelesen, mehr war nich drin, fuer einen volkswirt eine beleidigung) finde ich dieses wochenende Bertha von Suttners 'Die Waffen Nieder' in omas buecherbestaenden. Dem layout nach folgt die ausgabe der optik der weltbuehne. Dis haette sich doch in omas renomierecke viel besser gemacht. Aber jut, is jelofen jetz.

Ick jedenfalls denke: Die Waffen Nieder! dit is doch so'n pazifistisches traktat von so eine suffragette. Aber sei's drum, wenn du's mal da hast, kannstes ja mal anlesen. Aber hey, dit is jar kein traktat, dis is ein maedchenbuch, wat Jane Austen nich besser haette schreiben koennen. Dit werk is ja eher wie Onkel Tom's Huette, nur eben in Wien und mit hochadel, aber eben auch mit einer politischen agenda aber sonst allet voller schmachtender Husarenleutnants, die seufzend die herzen der ebenfalls schmachtenden und seufzenden Wiener debuetantinnen im sturme erobern. Bei Suttner gibt es dazu aber ein geruettelt mass zeitgeschichte, politik und wissenschaft, dass tiefe einblicke in die denke der 'eliten' der mitte des neuzehnten jahrhunderts erlaubt.

Ich bin sehr sehr positiv ueberrascht und freue mich, dass sie, die heldin, erstmal ihren Baron von Tilling bekommen hat, nachdem er schon um versetzung in die pusta gebeten hatte, weil er dem stande nach unpassend fuer die schoene blonde reiche hochadlige ... ach herrlich. Doch Unheil droht, wir schreiben 1863 und 1864 kommt, wir wissen es, der Deutsch/Oestreichisch-Daenische Krieg auf die heldin zu. Hach, spannend!

Das junge paar faehrt uebrigens zur hochzeitsreise auf deutscher baedertour unter anderem auch nach wiesbaden. Davon weiss die protagonistin zu berichten:

Ueberall dasselbe froehliche, elegante Treiben - ueberall so viele interessante Menschen aus aller Herren Laender.

... und genau so geht das nun mal her, in Wiesbaden.


  1. eule70    Jun 27, 02:35    #
    Na, da beglückwünsche ich Dich zu Deiner Erkenntnis! Berta von Suttner kann ja nix dafür, dass sie aus der Adelsgesellschaft war, aber aus ihrer eigenen Erfahrung zog sie die Konsequenz, Pazifistin zu werden, hat ihre adligen Kontakte für ihr pazifistisches Engagement genutzt und eine Zeitlang sogar etwas bewirkt. Am Schluss war sie, wie Pazifisten ja immer, wenn ein Krieg gewollt ist, machtlos.

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