The following links may help navigating this page
No Feed Found
No Feed Found

Royale Jugendarbeit · 2006-06-11

Die geschichte hier lief mir erst gestern morgen ueber den weg. 'Royal: Das Militär soll junge Straftäter einnorden'. Frau(!) Royal ist in Frankreich Sozialistin(!) und will sich um die franzoesische praesidentschaft(!) bewerben. Sie fordert nun, sicher teils um den franzoesisch rechten LePen-Sarkozy rand nicht kampflos aufzugeben, dass jugendliche ersttaeter ueber 16 in militaerischer obhut werte und struktur lernen sollen. Wieso ich das kommentiere?

Gerade am freitag hab ich sechs bis acht solcher ersttaeter mit ihrem sozialarbeiter durch den sommerlichen tag ziehen sehen. Auf dem weg zur besichtigung eines handwerksbetriebs nehme ich an. Welch zynismus. Der oeffentlichbedienstete lief fuenf meter vorweg. Seine abgehaermte veganerfigur wurde von einem hellblauen 500 mal gewaschenen batik PhunaMaharishiWorkshop tshirt verhuellt. Dazu jeans und sandalen. Er war der einzige in der gruppe, durch den man schliessen konnte, dass die gruppe ueberhaupt irgendein ziel hatte.

Fuenf meter hinten dran lungerten sechs bis acht fleischige pubertierer. 5/6 in die krasse aggro berlin look und der blasse in einer prallen mode-nazi-joppe, die das 40er jahre wehrmachtsflecktarn immitierte. Die delinquenten liessen beim lungern selbstgedrehtes kreisen. Jeder einzelne dieser schlingel war so gut durch den winter gekommen, dass er das anderthalbfach des duftreisessers an der spitze auf die waage brachte, aber leicht.

Zuerst hat mein hirn das bild weitgehend kommentarlos hingenommen. Aber als ich gestern von frau Royal hoerte kam es wieder. Stimmt eigentlich, wie will der duennaermige berufsbetroffene sich eigentlich durchsetzen, wenn es mal wirklich um etwas geht? Wenn es darum geht werte zu setzen, z.B. respekt vor dem mitmenschen oder auch mal diskursfaehigkeit?

Mal eine exkursion in einen handwerksbetrieb leiten, das mag der paedagoge ja noch hinkriegen. Eh die schlingel gar nichts machen, kommen sie da halt mal mit. Aber wenn es darum geht, ansichten zu hinterfragen ... Ich kann nicht glauben, dass die frickel sich von dem freizeitheimgandhi auch nur eine sekunde irgendwas sagen lassen. Die kleinen haben auch alles getan um diesen eindruck zu vermeiden.

Was das jungvolk da macht ist auch nicht dumm. Sie spielen mit dem tabu 'gewaltfeiheit', das unsere gesellschaft mit recht ueberall voran stellt. Sie zwingen uns damit dieses tabu in seiner absolutheit zu hinterfragen und koennen sich gleichzeitig als eigene wertegemeinschft gegen die alten definieren (was quatsch ich blasiert). Was frau Royal macht, und wofuer sie angefeindet wird, ist nun nur das tabu zu hinterfragen.

Das problem, was ich bei frau Royals vorschlag erahne, ist das eigentliche ziel militaerischer ausbildung. Das toeten. Das macht jede militarisierung von jugendarbeit zum schwachsinnsprojekt. Ganz ganz ganz duenne arme darf ein sozialarbeiter heutzutage aber auch nicht mehr haben.

Nachtrag: Ein taz interview mit der sozialarbeiterin, des buerzels, der die alte lehrerin umgehauen hat. Man braucht nicht lange dran rumzuinterpretieren, um zu sehen was ich meine. Sozialarbeiter werden sich bald auch physisch stark machen muessen ... in ermangelung anderer sanktionsmoeglichkeiten oder angebote.


  1. Juergen    Jun 11, 12:37    #
    willst du dich ins gespraech bringen, mit dem letzten satz? ;)

    im ernst: hierzulande wird immermal wieder gerne der arbeitsdienst ins gespraech gebracht. nicht nur von stammtisch-helden, auch von parlamentariern. wer war der letzte?
  2. Haken    Jun 11, 21:43    #
    Nee, ick meine das die kleinen im gegensatz frueheren generationen erstens keinerlei perspektiven haben und ihre dominanzwuensche umso problemloser mit gewalt durchsetzen koennen. Es existiert ja keine sanktion, sie haben eh nichts von uns zu erwarten …

    ... und die sozialarbeiter werden probleme damit bekommen oder haben sie schon wie das interview in der taz zeigt, dessen letzten absatz man nicht ueberlesen sollte. Sie werden lernen muessen sich auch physisch einzusetzen oder besser zur wehr zu setzen.

Commenting is closed for this article.