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Fertilitaetssau im Dorf · 2006-03-16

Wieder wird eine sau durch das mediendorf getrieben. Eigentlich versuch ich mich bei solchen sachen rauszuhalten aber diesmal ...

Ich sag nur Berlin Institut. Das berlin-institut hat grad maechtig presseresonanz, wegen der studie zur Demografischen Lage der Nation. Und dann kommt Spiegel Online und macht aus dem ganzen ein aufgeregtes gekreisch denn so vertickt man auflage. Auf papier oder im netz. Bei SpOn heisst es dann zu den dingen, die alle schon wissen, und zwar seit jahren, dass Deutschland veroedet und verbloedet. Warum es das tut? Wegen der demografischen bombe. Ui ui ui, die demografische bombe.

Was mich stoert, ist diese tendenz das juengste gericht an die wand zu malen. Man darf bei solchen schauergeschichten eins nicht vergessen: Zu jedem effekt entwickelt sich ein gegenlaeufiger trend. Wo es veroedet, wird es billig und wo es billig ist, ziehen die kreativen hin, gerade in zeiten von breitband internet. Ostberlin war in den neunziger veroedet und diese freiraeume wurden genutzt. Berlins ruf ruehrt noch heute daher. Mit den veroedenden laendlichen raeumen kann es auch so kommen. Man kann das schon vereinzelt beobachten und das wird wahrscheinlich zunehmen.

Jetzt aber kreischen sie alle von versteppten landstrichen mit vergreisten und verbloedeten restbewohnern und sie reden schon vom Mezzogiorno. Hoert mal her. Wir leben in einer der dichtest besiedelten gegenden der welt. Was wollt ihr eigentlich? Seid doch froh ueber jeden efeubewachsenen bahnhof ueber jedes stueck steppe. Dis schafft doch freiraum. Freiraum fuer ideen. Das Mezzogiorno ist uebrigens geworden was ist, weil ueber jahre eine komplett bloedsinnige foerderpolitik gefahren wurde.

Nachdem wir das also kurz bedacht haben, wenden wir uns jetzt mal dem vordenker dieser fertilitaetsaufgeregten zu: Spiegelauthor Schirrmacher und seine grossfamilienromantik. Zieh'n se doch nach Albanien, wenn ihnen das hier nich passt, mann. Die kleinfamilie hat volkswirtschaftlich eins zwei gewaltige vorteile. Weniger kinder sind in der regel besser auszubilden, also besser ausgebildet. Was wollen Sie mit noch sechs geruestbauern, die im jobcenter nummern ziehen, wenn sie einen nano-roboter-entwickler haben koennen? Ein einzelkind dessen ausbildung fuenffach teurer war und dessen eltern das gestaemmt haben und die es fuer fuenf baelger vielleicht nicht haetten staemmen koennen.

Nun zahlt der nanoroboterentwickler ein in die sozialsysteme und schon sind wir da, bei rentensystem und sozialkassen.

Es geht kaputt, das rentensystem. Wegen der kindsverweigerer, aber klar. Eins mal ganz klar und vorweg: Unser rentensystem wurde seinerzeit nicht von Moses den berg Sinai runtergetragen. Das system steht zur debatte, nicht die fertilitaet der deutschen. Eine unterhaltssichernde altersrente gibt es in Deutschland erst seit den 60er jahren und schon damals haben die experten gesagt, dit jeht nich jut. 'Hoechstens dreissig jahre' und recht hatten sie. Vorher war die altersrente ein zubrot und sie wird es wieder werden, na und? Wir koennen unser rentensystem nicht bekindern, denn das oben genannte dilemma greift wieder: Sechs geruestbauer zahlen nicht ein aber ein nanoroboterbauer.

Wenn ihr mehr kinder wollt, dann bitte nicht wegen des rentensystems. Sagt weswegen ihr es wirklich wollt, zur rettung des deutschen wesens. Denn die rettung des rentensystems wird nicht hinhauen bei uns; und da kommen wir nun endlich auf den punkt, damit ihr 'grossfamilienromantiker' mal klar seht: Wer zahlt denn die zeche, wer zahlt denn ein in die maroden vergreisten rentenkassen? Die gutausgebildeten einzelkinder und die, die viel lieber und natuerlich immer aus komplett hedonistischen gruenden, flexibel der hedonistisch globalisierten arbeitswelt zur verfuegung stehen, sich darob vor der hoelle der brutpflege druecken und mehr produzieren als wir alle zusammen verfressen koennen. Ihr seit nich ganz dicht ihr familiennappel.

Ich will hier nicht gesagt haben, dass kindererziehungszeiten nicht auf rentenansprueche anzurechnen sein sollen. Das ist aber keine frage der rettung des systems sonder der gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist hier aber ganz leicht herzustellen. Schafft bedingungen, die es eltern erlauben kinder grosszuziehen und sozialversicherungspflichtig taetig zu sein. Ganz nebenbei sind kinder an sich eine form der altersicherung, auf dem Balkan wie bei uns auch wenn alphonso don das nich glauben mag.

Mal in echt: Was wollen wir eigentlich mit mehr kindern? Wir koennen doch unseren wenigen blaagen schon kein angebot zu eigenem broterwerb machen. Heute schon. Was soll das werden, wenn tausende im schnitt schlechter ausgebildete nachgebohrene dazukommen? Herr Schirrmacher, was denn bloss? Die werden im stadtpark rumlungern und sich die hucke zusaufen, denn andere perspektiven haben sie nicht.

Bei der entvoelkerungsdebatte gibt es nur ein einziges problem. Die guten gehen zuerst. Da besteht handlungsbedarf. Aber was man da machen kann, ich weiss es nicht aber andere denken nach.


  1. Juergen    Mar 17, 08:31    #
    hey, was ist denn los mit dir? wirst du jetzt grossfeuilletonist? so was von ausgewogen der text, tsssst!
    da bleibt mir nur noch hinzuzufuegen: was ist denn so schlimm daran, wenn “die deutschen aussterben”? erst mal muessen hier nicht 70 mio wohnen, klar, siehe oben. 70 mio deutsche schon gleich gar nicht. wer sagt denn, dass das (die vielleicht 40 mio) menschen deutscher herkunft sein muessen? die zusammensetzung der einwohner, deren struktur (nicht nur) hierzulande wird sich dramatisch aendern. na und? die politik jedenfalls kann daran gar nichts oder nur marginal etwas aendern, aehnlich wie bei den globalen wirtschaftszusammenhaengen. die politik kann sich (in ihrem machterhaltungsstreben auf kosten der buerger) eigentlich nur laecherlich machen.
  2. sabbeljan    Mar 17, 09:11    #
    ja, endlich mal wieder ein wenig rotzig. und recht habt ihr.
  3. — rod    Mar 18, 17:50    #
    Sind wirklich ökonomische Rahmenbedingungen Ursache der ansteigenden Kinderlosigkeit ? Neulich wurde im ÖR-Fernsehen (ja, ich gebe meine Quellen an) eine Befragung von Frauen erwähnt, worin sie die Gründe für ihre Kinderlosigkeit angeben sollten.

    Grund ‘Nummer Eins’ war eine fehlende “harmonische und stabile Partnerschaft”. Ökonomische Gründe tauchten erst auf den hinteren Plätzen auf.

    Ich schließe mich dieser Gewichtung an. Letzeres ist natürlich vollkommen unwichtige anekdotische Evidenz.
  4. Haken    Mar 18, 22:23    #
    Genau, weil die ladies was zum aufschauen suchen, deswegen finden sie nichts wen sie gut ausgebildet sind. Die Zeit hat das diese pralle grafik dazu.
  5. — rod    Mar 19, 21:59    #
    Ich glaube, die Ladies nehmen auch einen Maurer, wenn der sie respektiert und sich nicht wie ein Arsch benimmt. Aber ich habe nicht wirklich Ahnung.

    Ja, klasse Grafik. Die Zeit hat extra Platz gelassen auf den unteren Stufen, für die muslimischen Männchen und Weibchen.

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