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Bombenturban · 2006-02-05

So, kinder. Itzo, wo die empoerte sau durchs dorf getrieben ist, hau ich noch mal mit vergnuegen auf die fuehrungsriege der Jyllands Posten. Es soll also um die karikaturen des propheten gehen.

Drei von den karikaturen hab ich gesehen. Dem genre der karikatur moechte ich die bildchen dennoch nicht zurechnen. Warum nicht?

Ueber karikaturen muss man eines wissen. Eine karikatur, die den namen zu recht fuehrt, naehert sich ihrem thema auf irgendeine weise liebevoll. Besser kann ich das nicht erklaeren. Der kuenstler muss ein mindestmass empathie mitbringen. In den bildchen, die ich gesehen habe fehlt diese empathie. Sie fehlt haargenau auf die gleiche weise, wie sie in den 'karikaturen' von juden im, seiner zeit ebenfalls auflagenstarken, blatt "der stuermer" fehlte.

...und mit verlaub, wenn ich heute hier auf meiner kollumne unkommentiert ein paar alte stuermer karikaturen bringen wuerde, waer ich nicht besonders erstaunt, wie einigen charakteren aus Spielbergs neuem film Muenchen.

Die bildchen aus der Jyllands Posten sind gehaessig, ohne charme, ohne witz, ohne intellekt, verdienen also den namen karikatur nicht wirklich. Was sie allerdings trotzdem schaffen, ist, ein bezeichned licht auf die reakteure des blattes zu werfen. Aufregung schafft auflage, gell? Den unbeugsamen kampf fuer die freie meinungsaeusserung nehme ich den oberen dieses blattes nicht ab. Vielmehr kimmet mir der verdacht, die wuerstchen stecken bis zur taille im rektum des gottes Mamon ... und an meinigem koennen sie auch mal schnueffeln.

Ich habe ueberlegt die Jyllands Posten redaktion zu karikieren. Aber dazu ist, wie gesagt, empathie noetig.

Dass die aufregung im arabischen raum geschuert und ausgenutzt wird, steht auf einem ganz anderen blatt und darf gern woanders diskutiert werden.


  1. fely    Feb 7, 13:11    #
    Darf ich heftigst zustimmen? Das waren keine Karikaturen. Das war bösartiger, dumpfer, menschenverachtender Spott.
    Darf ich aber auch heftigst widersprechen? Eine Karikatur muß sich m.E. ihrem Motiv gar nicht mit Empathie nähern. Sie darf gehäßig sein. Sie muß lediglich einem Ideal folgen und treu bleiben. Die Auflage der Zeitung lasse ich aber als Ideal nicht durch. Und das entstandene Geschrei um die Pressefreiheit auch nicht.
  2. Steffen    Feb 8, 14:29    #
    Also die eine mit “Uns sind die Jungfrauen ausgegangen…” fand ich schon witzig, tut mir leid. Zum Rest bin ich eurer Meinung. Das Verfahren, wie man zu den Zeichnungen kam, ist ja schon bezeichnend: Wenn über 40 Zeichner Nö sagen (und das sicher nicht, weil alle um ihr Leben fürchten sondern einfach aus Respekt vor religiösen Gefühlen) und man dann den kläglichen Rest abdrucken musste – klar dass da Schrott dabei ist.

    Allerdings sind mir diese Proteste und die Gewalt zutiefst suspekt und unverständlich. Ein Großteil der Demonstranten hat die Karikaturen mit Sicherheit nie gesehen, lässt sich aber vom Mob mitschleifen, was von den Regimes auch noch unterstützt wird. Nee, dann doch lieber unsere frommen Christen, denen schon fast alles egal ist was mit ihrem Heiland an Satire getrieben wird…
  3. MartinM    Feb 8, 18:11    #
    Ich kenne alle 12 in der Jyllands- (Kom)Posten abgedruckte “Karrikaturen”. Darunter ist auch eine, in der ein Schuljunge namens “Mohammed” auf Persisch an die Tafel schreibt: “Die Kulturredaktion der Jyllands-Posten ist ein Haufen reaktionärer Provokateure”. Und das finde ich irgendwie Klasse.
  4. — rod    Feb 10, 10:30    #
    Ich finde die Frage, ob es nun “richtige” Karikaturen sind oder nicht, überflüssig. Schließlich hätte man genauso gut einen Text bringen, können, der irgendwie blasphemisch im muslimischen Sinn ist.

    Meine Frage ist, was kann ich aus der Reaktion der islamischen Welt und aus der “Blasphemie” der Jyllands-Posten lernen. Jyllands-Posten hat argumentiert, dass sie die Muslime mit dem Konzept der Meinungsfreiheit konfrontieren wollen. Demokratie lernen durch Demütigung. Klasse.

    Aber tatsächlich hat die Zeitung unwillentlich gezeigt, was für eine Bedrohung sich der Westen erzeugt hat, zumindest wenn die Bilder der aufgebrachten Menschenmassen repräsentativ sind. Die Regierungen im nahen Osten können sich leicht einen Sender Gleiwitz basteln. Die Meinungsfreiheit hier macht es ihnen leicht.

    Gott, schütze uns nun vor demokratischen Wahlen in den muslimischen Ländern. In Algerien haben wir 1992 gesehen was passiert. Alles eine Folge von Kolonialismus und Imperialismus (einschließlich der Gründung von Israel).

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