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Sprache schafft Denken · 2005-10-20

Heute mal wieder ein stueck 'public relations' aus einer ganz uebelriechenden ecke. Naemlich vom Bundesministerium fuer Wirtschaft und Arbeit', dessen nochvorsteher ein gewisser herr Clement ist, der hier nicht das erste mal unangenehm auffaellt. Die geschichte geht so: Gestern beim essen faellt mir der aufmacher der mutter aller wurstblaetter auf: "Die miesen tricks der hartz iv-schmarotzer." Naja, da denkt man sich noch nichts bei. So sind sie halt im 'axel springer building'. Heute kramt der Kantel dann einen seiner schraegen JungeWelt-artikel raus, in dem Clement wegen eines parasiten vergleichs der volksverhetzung bezichtigt wird und ick denke: "Aha! Konzertierte Aktion von Bild und BMWA. Bild schreibt ein wenig fuer verrauchte stammtische, Clement redet ein wenig an verrauchten stammtischen und schon ist die stimmung gemacht." Das allein waere einen artikel wert gewesen. Aber es ist sogar noch viel besser. Clement redet nicht nur, er laesst auch schreiben und veroeffentlichen. Wie das BildBlog weiss, kommt die bild schlagzeile nicht von irgendwo her, sondern ist ein, wollen sagen, sehr freies zitat aus einer veroeffentlichung des BMWA, nebbich aus dem "Report vom Arbeitsmarkt im Sommer 2005". Abgesehen davon, dass es sich bei dem report um eine empirisch haltlose, voellig willkuerliche sammlung von einzelfaellen handelt, die dort angeprangert werden, finden wir auf seite zehn folgenden satz:

"Biologen verwenden für 'Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben', übereinstimmend die Bezeichnung 'Parasiten'. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu ..."

Es ist schoen, dass das BMWA uns ueber die unstatthaftigkeit von mensch-tier vergleichen in serioesen dokumenten aufklaert. Allein das auftauchen der definition fuer parasit in einem dokument stellt natuerlich keine 'semantische naehe' her, zwischen dem thema des dokuments und dem begriff. Natuerlich nicht. Deshalb moechte ich diesen eintrag nutzen, um darauf hinzuweisen, dass auch die uebertragung der folgenden worte auf menschen voellig unstatthaft ist: investitionszulagenkakerlak, foerdermittelgeschwuehr, steuerhinterzieherdreck, aufsichtsratsnatter, diaetengewuerm, ministerratte.

Sprache reflektiert denken und sprache schafft denken.


  1. Juergen    Oct 20, 13:26    #
    bravo!
    natuerlich ist es voellig abwegig, deine unten genannten begriffe im zusammenhang mit taetigkeiten des / im bmwa zu denken…
  2. sabbeljan    Oct 20, 13:47    #
    ich bin sprachlos ob dieser entgleisung – zumal sie schriftlich erfolgte – mithin also zeit genug sich sowas noch mal zu ueberlegen. aber so ist es vielleicht besser, denn nun wissen wir genau was in den grosskoepferten vor sich hin wabbert.
    manmanman!!
  3. — anonym per mail    Oct 20, 14:28    #
    Dis versteh ich absolut, mit der Laune. Zumal der Parasiten-Satz gleich nach “Ibrahim, dem Libanesen” erscheint. Auch da ist die semantische Nähe – natürlich – rein zufällig und im Grunde (dieses verlogene protestantisch verbrämte Pflichtethik-Gelabere) nicht statthaft.

    Unabhängig von allem hätte ick jerne jewusst, wer denn der Adressat dieses “Reports” war – liest sich wie eine lupenreine Propaganda-Rede (“Wollt Ihr den totalen Hartz-IV-Abzocker?”). Dann fragt sich erst recht, für wen gedacht bzw. vor wem gehalten. Dis wusste BildBlog ja ooch nich. Any information out of other sources?
  4. feuerhake    Oct 20, 14:56    #
    Das dokument nennt neben Herrn Clement, der fuer das vorwort verantwortlich ist keine namen. Der IT nerd schaut natuerlich nochmal kurz in die ‘documentsummary’ (acrobatReader oben rechts, kleines dreieck ueber der scrollbar) und sieht dann, dass ein gewisser reiter.thomas das dokument seinerzeit mit dem acrobat destiller aus einem ms word file generiert hat. Wer mehr wissen will fragt also Thomas Reiter vom BMWA. Ein kurzer google fuehrt uns auf die faehrte Bundesarbeitsblatt. In diesem dokument finden wir ein impressum, da koennte man dann mal fragen, gell? Muss man aber nich.
  5. richie    Oct 21, 07:26    #
    Danke. Wohl gesprochen.

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