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Urheberrechtsnovelle · 2007-06-24

§ 52b Wiedergabe von Werken an elektronischen Leseplaetzen in oeffentlichen Bibliotheken
 
Zulaessig ist, veroeffentlichte Werke aus Bibliotheksbestaenden ausschlieszlich in den Raeumen oeffentlich zugaenglicher Bibliotheken an eigens dafuer eingerichteten elektronischen Leseplaetzen zur Forschung und fuer private Studien zugaenglich zu machen, soweit dem keine vertraglichen Regelungen entgegenstehen. Es duerfen nicht mehr Exemplare eines Werkes an den eingerichteten elektronischen Leseplaetzen gleichzeitig zugaenglich gemacht werden, als der Bestand der Bibliothek umfasst. Fuer die Zugaenglichmachung ist eine angemessene Verguetung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

oder anders: Wenn Der Haken mal als buch erscheint und eine bibliothek eine kopie im bestand hat, dann darf sie die onlineversion des Hakens auf einem speziell dafuer eingerichteten eletronischen leseplatz anbieten, es sei denn, die buchkopie ist gerade ausgeliehen. So stehts im juengsten referentenentwurf des justizministeriums zur novellierung des urheberrechts. Wo lebt ihr eigentlich, leute?

Das letzte mal, als der Haken bei einer massenhaften politischen meinungsaeusserung auch physisch mitgewirkt hat, war das vor dem Bundesjustizministerium. Langsam glaub ich, man muesste sich da staendig hinstellen, oder in abwandlung eines arabischen sprichworts: "Demonstriere jeden morgen vor dem justizministerIn. Auch wenn du nicht weisst warum. Sie weisz es."

Der ganze entwurf riecht von vorn bis hinten nach lobbyarbeit. Anstatt sich gedanken ueber neue geschaeftsmodelle zu machen, lassen die verlagshaeuser - diese verlagshaeuser nennen sich neuerdings auch gern contentindustrie - ihre schleimer, laechler und kaffeeeinlader auf die ueberforderten vertreter des deutschen volkes los, die daraufhin einfach runterschreiben, was die verlagstypen wollen. Bei den verlegern von Bohlen, Tokio Hotel und Konsorten waer es mir ja wurscht, aber hier geht es auch um wissenschaftlich relevante veroeffentlichungen, deren zweck nicht zuerst die alimentation eines feisten unterhaltungsindustriearschs ist.

Manchmal meine ich, die lobbyarbeit weiter kreise derer, die das offenbar finanzieren koennen ruiniert unsere gesetztgebungsverfahren nachhaltig. Lawrence Lessig scheint mir auf den gleichen trichter gekommen zu sein. Er will in zukunft, und ich freu mich drauf, weniger im urheberrechtsumfeld wirken als an der korruptionsfront. Richtig, korrupt im sinne von kaputt scheint mir hier so einiges zu sein.

gewinner screenshot

Nachtrag: Gerade habe ich das online quiz des justizministeriums zu urheberrechten mitgemacht. Ich werde mich von mitarbeitern des justizministeriums fuerderhin nur noch mit "Prof. Dr. jur. Urheberrecht" anreden lassen, soviel zeit muss sein. Weiterhin fordert mich das BMJ auf, mich bei ihm zu bewerben. Soll ich da mal ein anschreiben aufsetzen, Frau Zypries? Nebenbei, mindestens bei der frage nach DRM ist die richtige antwort ihres hauses objektiv falsch.


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